ÖGGSM-Jahrestagung: Gender Equity bei der Nutzung moderner Technologien in der Medizin?

Am 12. April 2019 konzentrierte man sich ganz auf das Thema Gleichberechtigung in Technik und Medizin.

Stefan Thurner von der Medizinischen Universität Wien erklärte auf anschauliche Weise wie sich Beziehungen von Menschen und Gruppen anhand des online Spiels „Pardus“ untersuchen und in weiterer Folge ihr Verhalten vorhersagen lässt. Interessant ist dabei nicht nur dass sich die Spieler in der Onlinewelt ähnlich verhalten wie in der Realität, sondern auch dass Frauen sehr viel dichtere und damit sozial stabilere Netzwerke knüpfen als Männer. Diese und weitere Erkenntnisse aus dem Pardus-Universum helfen soziale multilayer Netzwerke – wie etwa die von ÄrztInnen, PatientInnen, Laboren, Apotheken – der realen Welt zu verstehen.

Christoph Gisinger vom Haus der Barmherzigkeit gab Einblick in die Akzeptanz und Praktikabilität von Assistenztechnologien wie etwa dem Roboter HOBBIT welcher in privaten Haushalten SeniorInnen unterstützen und damit Stürze verhindern kann. Ein weiteres Projekt mit dem Namen STRANDS unterstützt öffentliche und halböffentliche Einrichtungen etwa beim Lotsen von PatientInnen und BesucherInnen oder aber auch bei der Therapie beispielsweise durch Begleitung von Nordic-Walking-Gruppen Demenzkranker. Erstaunlich dabei ist, dass in beiden Untersuchungen kein Unterschied, noch nicht einmal ein Trend, zwischen männlichen und weiblichen PatientInnen und Angehörigen des Betreuungspersonals festgestellt wurde, obwohl Studien mit jüngeren NutzerInnen von Virtual Reality-Anwendungen schnellere Reaktionszeiten bei Männern und leichtere Ablenkbarkeit von Frauen durch störende Stimuli zeigen konnten.

Die Wichtigkeit der Einbeziehung moderner Technologien in die Therapie betonte auch Michael Leutner. Studien mit Diabetes-Selbstmanagement-Applikationen konnten erfolgreich zeigen, dass sich durch ihre Nutzung der Glukosestoffwechsel verbessert und hypoglykämischer Ereignisse verringern. Vor allem Frauen, welche ein erhöhtes Risiko für Komplikationen haben, könnten demnach von der Unterstützung der Therapie durch Diabetesapplikationen profitieren.

Auch Alexandra Kautzky-Willer betonte die Wichtigkeit von Geschlechts-sensitiven Leitlinien und die Implementierung von Sex-spezifischen Programmen zur Verbesserung der Therapieadhärenz und Verlangsamung der Progression bzw. Entwicklung von Spätfolgen und Komplikationen, da Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei zahlreichen endokrinologischen Erkrankungen, wie etwa Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion oder auch Osteoporose, bekannt sind.

Auch in der psychiatrischen/psychosomatischen Rehabilitation kann Manuel Sprung von deutlichen geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Verbesserung der Symptombelastung und Lebensqualität berichten, wonach vor allem Frauen von der Therapie profitieren.

Dass auch die Prävention von „Volkskrankheiten“ eines Geschlechter-sensiblen Zugangs bedarf diskutierte Jürgen Harreiter. So wird zwar von vergleichbaren Ergebnissen für Gewichtsreduktionsmaßnamen zur Diabetesprävention berichtet, jedoch konnte aufgrund dieser Maßnahmen auch ein Vorteil für Frauen in Bezug auf die Mortalität gezeigt werden. Besonders für die Behandlung von Adipositas gibt es jedoch geschlechtsspezifische Neigungen bezüglich Therapie-Präferenz und -Adhärenz. Beispielsweise entschließen sich mehr Frauen für einen chirurgischen Eingriff zur Gewichtsreduktion.

Gerhard Prager gab als mögliche Ursache für diesen mit 80 % deutlich höheren Anteil von Frauen bei bariatrischen Operation Unterschiede in der Wahrnehmung des Krankheitsbildes Adipositas, aber auch das möglicherweise höhere Gesundheitsbewusstsein von Frauen an. Warum vor allem bei Frauen die aus der Adipositaschirurgie resultierende dauerhafte Gewichtsreduktion zu einer Verringerung der Karzinomsterblichkeit führt ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.

Auch das sexuelle Erleben wird durch eine unterschiedliche Körperwahrnehmung beeinflusst, so Michaela Bayerle-Eder. Für die sexuelle Zufriedenheit ist bei Männern etwa der erlebte Orgasmus entscheidend. Bei Frauen hingegen zählt das „sexuelle Gesamterlebnis“. Inwieweit sich das sexuelle Erleben und zwischenmenschliche Beziehungen durch die Robotik in Zukunft verändern werden und ob diese Veränderungen der menschlichen Gesellschaft schadet oder ein Gewinn ist wurde in der abschließenden Diskussionsrunde von Stefan Thurner, Christoph Gisinger, Harun Fajkovic, Andjela Bäwert und Beate Wimmer-Puchinger debattiert. Deutlich wurde, dass es schon jetzt große, sehr individuelle, Unterschiede in der Akzeptanz von Robotern gibt und es der Etablierung einer neuen Denkweise für die kommenden Generationen bedarf um moderne Technologien in ihre Lebenswelten erfolgreich zu integrieren.

Das Kongressheft können Sie hier herunterladen: OeGGSM JT2019 Kongressheft

Jahrestagung 2018

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

kautzky_willer
wir freuen uns, Sie zur 11. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechtsspezifische Medizin in die Ärztekammer für Wien einladen zu dürfen.

Die kommende Jahrestagung am 23. März 2018 steht unter dem Thema „Gender im Licht der personalisierten Medizin und PatientInnensicherheit“.

Gender Medicine ist eine Erweiterung der personalisierten Medizin, die Frauen und Männer geschlechtssensitiv unter Berücksichtigung sowohl Biologie-basierter als auch psychosozialer Voraussetzungen behandelt. Die Präzisionsmedizin ist Teil der Gender Medicine, die zugleich ganzheitlich Umweltfaktoren berücksichtigt. Die Gender Medicine trägt auch zur Verbesserung der Lebensqualität und PatientInnensicherheit bei, da eine geschlechterbasierte Medizin Fehldiagnosen, falsche Dosierungen und Medikamentennebenwirkungen vermindern kann. Geschlechtssensitive Forschung führt zu besserer Reproduzierbarkeit der Studienergebnisse und dadurch letztlich zu einer höheren PatientInnensicherheit.

Besonders da wir immer weniger Zeit im Gesundheitswesen für immer mehr PatientInnen haben, ist Risikobewusstsein und ein gutes Qualitätsmanagement besonders wichtig. Ist doch unser gemeinsames Ziel die Einbeziehung individueller Gegebenheiten in die Prävention, Diagnostik und Behandlung um die Gesundheit einer jeden Person zu verbessern.

Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Sie zur 11. Jahrestagung unserer Gesellschaft in Wien begrüßen dürfen um diese und weitere Themen mit Ihnen diskutieren zu können.

Das Programm finden Sie hier: Progamm der Jahrestagung 2018

Abstracts können noch bis 25. Februar 2018 online eingereicht werden.

Veranstaltungsort ist die Ärztekammer für Wien, in der Weihburggasse 10-12 des ersten Wiener Gemeindebezirks.

Mit besten kollegialen Grüßen

Alexandra Kautzky-Willer

Obfrau der ÖGGSM

 

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Jahrestagung 2017

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

kautzky_willer

wir freuen uns, Sie zur 10. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechtsspezifische Medizin in die Ärztekammer für Wien einladen zu dürfen.

Die kommende Jahrestagung am 31. März 2017 steht unter dem Thema „10 Jahre Gender Medicine – was bringt das für Mann und Frau?“.

Immer wieder werden Stressreduktion und Stoffwechseloptimierung genannt, wenn es um ein gesundes Leben geht. Doch selten wird darauf eingegangen, dass Stress für jeden und jede etwas anderes bedeutet und jeder und jede anders damit umgeht. Erst langsam wird auch deutlicher auf die Unterschiede im Stoffwechsel von Männern und Frauen eingegangen und die Veränderungen im Lebenszyklus. Dass auch das Gehirn bei Stress und Stoffwechsel mitredet, ist bekannt, welchen Einfluss dabei Geschlechtsidentität und Rollenbilder spielen, und wie sich diese verändern, ist allerdings noch immer unzureichend erforscht.

Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Sie zur 10. Jahrestagung unserer Gesellschaft in Wien begrüßen dürfen um diese und weitere Themen mit Ihnen diskutieren zu können.

Das Programm finden Sie hier: Programm der Jahrestagung 2017

Veranstaltungsort ist die Ärztekammer für Wien, in der Weihburggasse 10-12 des ersten Wiener Gemeindebezirks.

Mit besten kollegialen Grüßen
Alexandra Kautzky-Willer
Obfrau der ÖGGSM

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9. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin

(Wien, 15-04-2016) „In gesunden und in kranken Tagen … what gender has to do with it?“ Angesichts der aktuellen Flüchtlingsthematik, nach Meinung der Besucher viel.

JT2016HPbild

v.l.n.r.: Dr.in Andjela Bäwert (Obfrau-Stv. Der ÖGGSM); Univ.-Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer (Obfrau der ÖGGSM); Dr.in Sabine Oberhauser, MAS (Bundesministerin für Gesundheit); Ao. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger (kooptiertes Vorstandsmitglied der ÖGGSM); Prim.a Dr.in Hava Bugajer (Gründungsmitglied ÖGGSM, Präsidentin WIZO Österreich);

„Vor allem aus Sicht der Gender Medicine sind die heterogenen Bedürfnisse von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen besonders zu berücksichtigen“, so Professorin Alexandra Kautzky-Willer, Obfrau der Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin (ÖGGSM) anlässlich der 9. Jahrestagung in Wien.
Als Einstieg in das Thema geschlechtsspezifischer Unterschiede der menschlichen Gesundheit zeigte die Keynote-Lecture „To run like a girl: Demystifying the gender gap“ von Professorin Schernhammer wie die Definitionen von „sex“ und „gender“ zwischen den verschiedenen menschlichen Gesellschaften variieren. Sie hinterfragte in Ihrem Vortrag auch den „gender gap“ bei führenden Todesursachen kritisch.
Dass es Handlungsbedarf gibt stand bei der Jahrestagung außer Frage. Menschen mit Migrationshintergrund und Flüchtlinge im speziellen sind anderen psychosozial Herausforderungen ausgesetzt, was wiederum Auswirkung auf Ihre Gesundheit hat. Posttraumatische Störungen durch das Erlebte, Sexuelle Gewalt – gegen Männer auch heute noch ein Tabuthema – und Diskriminierung selbst im Medizinstudium sind nur wenige Aspekte welche nicht nur MigrantInnen und Flüchtlinge betreffen.

Die Poster Session sowie drei Plenary Sessions mit eingeladenen Vorträgen zu den Themen Flüchtlinge, Gewalt und chronische Krankheiten, haben eine breite Basis für angeregte Diskussionen rund um eine geschlechtergerechte Medizin geboten. Im Anschluss fand eine von Professorin Wimmer-Puchinger moderierte Diskussionsrunde zum Unterschied von PDE-5-Hemmern und Flibanserin statt.

Das Abstractbook zur 9. Jahrestagung finden Sie hier.